Sowohl in privaten als auch in öffentlichen Märkten gibt es in den vergangenen Jahren mehr und mehr Finanzprodukte, die den Impact-Investing-Ansatz verwenden. Diese Ausbreitung in diverse Anlageklassen ist eine Chance, Finanzierungslücken zu schliessen, welche bei der Zielverwirklichung der Sustainable Development Goals (SDGs) bestehen.
Mobilisierung für die SDGs
Laut dem aktuellen SDG-Fortschrittsbericht1 der UNO für das Jahr 2024 wurden bisher nur 17 % der gesetzten Ziele erreicht. Insbesondere bei «Kein Hunger» (SDG 2), «Hochwertige Bildung» (SDG 4), «Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum» (SDG 8) und «Nachhaltiger Konsum und Produktion» (SDG 12) sind weltweit erhebliche Stagnationen bezüglich der Zielerreichung oder gar Rückschritte zu verzeichnen. Diese unzureichenden globalen Fortschritte unterstreichen die Bedeutung einer vermehrten Zusammenarbeit aller Wirtschaftssektoren. Der Finanzsektor kann seinen Beitrag über verschiedene Anlage- und Finanzierungsprodukte leisten. Dazu zählen neben Blended-Finance-Ansätzen auch weitere Investitionsformen in verschiedenen Anlageklassen.
Ausweitung von Impact über alle Anlageklassen hinweg
Gemäss den Daten der SSF Sustainable Investment Market Study 20242 wurden per Ende 2023 180 Mrd. CHF nach dem Ansatz des Impact Investing verwaltet. Der grösste Teil davon entfiel auf Aktien (31 %), gefolgt von Immobilien (25 %), Unternehmensanleihen (15 %) und Staatsanleihen (13 %). Nur gerade 4,9 % des nach dem Impact-Investing-Ansatz verwalteten Vermögens waren Private-Equity- und Private-Debt-Anlagen. Diese Daten verdeutlichen die stetige Ausweitung von Impact Investing auf andere Anlageklassen als Private Equity und Private Debt. Dabei bleibt offen, ob in jedem Fall klare Impact-Ziele festgelegt und ihre Erreichung auch gemessen und rapportiert werden.
Private Equity und Private Debt in Emerging Markets sind gerade aus Wirkungsperspektive ein besonders wichtiger Bestandteil von Impact Investing in der Schweiz. Laut dem Tameo Private Asset Impact Fund Report 2023 halten Schweizer Vermögensverwalter auch 2023 rund 12 % des weltweiten Marktanteils an solchen Impact Investments und liegen damit nach den USA und den Niederlanden an weltweit dritter Stelle3.
Wirkungsmessung ist zentral
Die publizierten Leitlinien zu börsennotierten Aktien4 vom Global Impact Investing Network (GIIN) sind ein Beispiel dafür, dass nebst Privatmärkten auch andere Anlageklassen wichtig werden. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass Methoden, die auch für solche Assetklassen das Messen der Wirkung ermöglichen, immer wichtiger werden. Das Konzept des Impact Management Project (IMP)5 ermöglicht Anlegern beispielsweise, für jede Assetklasse die passenden Wirkungsziele und Strategien zu wählen und anschaulich darzulegen.
Um mittels Impact Investing in diversen Anlageklassen die Finanzlücken der SDGs zu schliessen, braucht es solide Zielsetzung, qualitative und quantitative Datenerhebung sowie standardisierte Berichterstattung. Werden solche Ansätze auf alle Assetklassen angewandt, kann die Finanzindustrie ihren Beitrag zur raschen Erreichung der SDGs leisten.
Quellen
- UN: SDG Progress Report 2024
- SSF: Swiss Sustainable Investment Market Study 2024
- Tameo: Private Asset Impact Fund Report
- GIIN: Listed Equities Working Group
- Impact Management Platform: Investment Classifications
Autorin:
Veronica Baker leitet in ihrer Rolle als Project Manager bei Swiss Sustainable Finance (SSF) die Impact-Investing-Aktivitäten sowie das Sekretariat des Swiss National Partner von GSG Impact, der an Building Bridges 2024 lanciert wurde. Sie ist die Autorin der SSF-Publikation zu Impact Investing in der Schweiz. 2020 hat sie einen MSc in Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung am Institute of Development Studies (IDS) der University of Sussex abgeschlossen.
Illustrationsbild: © adobestock / RoBird
Neueste Kommentare