Der Sektor des nachhaltigen Investierens, insbesondere das Impact Investing, verzeichnet in der Schweiz ein anhaltendes Wachstum. Der Schweizer Finanzplatz hat die Chance, sich als global führender Hub für wirkungsorientierte Kapitalanlagen zu positionieren.
Doch während die Nachfrage nach Investitionen, die neben einer finanziellen Rendite auch einen messbaren positiven Beitrag zu Umwelt und Gesellschaft leisten, steigt, blockiert ein hartnäckiger Irrglaube das volle Potenzial: die Annahme, dass Wirkung zwangsläufig mit einem Renditeverzicht einhergeht.
Wirkung und Rendite schliessen sich nicht aus
Die Prämisse des Impact Investing basiert nicht auf Philanthropie, sondern auf der Identifizierung tragfähiger Geschäftsmodelle, die Lösungen für drängende globale Herausforderungen bieten. Obwohl Studien belegen, dass Impact Investing keinen Renditeverzicht bedeuten muss, hält sich diese Fehlannahme hartnäckig in Teilen der traditionellen Vermögensverwaltung.
Der vermeintliche Zielkonflikt zwischen Wirkung und Rendite ist grösstenteils konstruiert. Ein professionelles Impact-Management ist oft gleichbedeutend mit einem überlegenen Risikomanagement. Unternehmen, die ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen proaktiv steuern, sind tendenziell resilienter gegenüber operationellen, regulatorischen und reputatorischen Risiken.
Hauptgründe, warum sich der Mythos der Minderrendite so hartnäckig hält
Historische Wurzeln: Der «Filter-Ansatz»
Die Ursprünge des nachhaltigen Investierens liegen im sogenannten «Negative Screening» (Ausschlussverfahren). Hierbei wurden einfach «unethische» Sektoren wie Tabak, Alkohol, Waffen oder Glücksspiel aus dem Portfolio entfernt.
- Das Problem: Wenn man einfach Sektoren ausschliesst, die zu bestimmten Zeiten (z. B. Rüstung in Krisenzeiten oder Tabak historisch) hohe Renditen abwarfen, kann dies tatsächlich zu einer Abweichung (Tracking Error) oder potenziellen Minderrendite im Vergleich zu einem breiten Marktindex führen.
- Der Irrglaube heute: Dieses veraltete Bild des reinen «Verzichts» wird fälschlicherweise auf moderne Ansätze wie ESG-Integration oder Impact Investing übertragen. Moderne Ansätze suchen jedoch aktiv nach Chancen (Positiv-Screening) oder nutzen ESG-Daten, um Risiken (wie Klimarisiken) besser zu managen, was die Rendite tendenziell schützt oder verbessert.
Veraltete Finanztheorien
Die klassische Portfoliotheorie (Modern Portfolio Theory nach Markowitz) prägt die Ausbildung und das Denken vieler Finanzprofis seit Jahrzehnten.
- Das Problem: In dieser Theorie wird jede Einschränkung (Constraint) des Anlageuniversums als potenziell suboptimal angesehen, da sie das Risiko-Rendite-Profil verschlechtern könnte. Nachhaltigkeit wird fälschlicherweise als eine solche «Einschränkung» (z. B. «Ich darf nicht in X investieren») gesehen.
- Der Irrglaube heute: Es wird ignoriert, dass Nachhaltigkeitsfaktoren (ESG) keine «Einschränkung» sein müssen, sondern eine wichtige Informationsquelle sind. Sie helfen, bisher übersehene Risiken (z. B. CO2-Preise, Reputationsschäden) und langfristige Chancen (z. B. Ressourceneffizienz, innovative Technologien) zu erkennen, die die traditionelle Finanzanalyse oft übersieht.
Datenlücken und Komplexität
Obwohl die Datenlage rasant besser wird, war die Messbarkeit von Nachhaltigkeit (und ihrer finanziellen Auswirkung) lange ein Problem.
- Das Problem: Unterschiedliche ESG-Ratingagenturen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen («Rating-Wirrwarr»). Es ist komplex, die Kausalität zwischen guter Nachhaltigkeitspraxis und finanziellem Erfolg exakt nachzuweisen (obwohl die Korrelation stark ist).
- Der Irrglaube heute: Diese Komplexität und die (früheren) Datenlücken machen es Skeptikern leicht, positive Studien als «Ausreisser» abzutun oder die Methodik anzuzweifeln.
Beharrungskräfte (Inertia) in der Branche
Gerade in etablierten Finanzmärkten wie der Schweiz ist die Trägheit ein Faktor.
- Das Problem: Investmentprozesse zu ändern, ist aufwändig. Traditionelle Vermögensverwalter, die ihre Modelle nicht auf die Integration von ESG-Daten umgestellt haben, verteidigen oft den Status quo. Es ist für sie einfacher, Impact Investing als «Nische» oder «Kompromiss» abzutun, als die eigenen Prozesse grundlegend zu erneuern.
- Der Irrglaube heute: Anekdotische Evidenz («Ich kenne da einen Solarfonds, der pleiteging») wird genutzt, um das Vorurteil zu bestätigen (Confirmation Bias), anstatt die aggregierten Daten zu betrachten, die das Gegenteil belegen.
Diese Punkte schaffen einen Nährboden, auf dem der Mythos der Minderrendite – entgegen der modernen Evidenz – weiter gedeihen kann.
Illustrationsbild: © stock.adobe.com/nateejindakum
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