Das Thema «nachhaltiges Investieren» ist unbestritten zu einem wichtigen Thema für den Schweizer Finanzplatz geworden. Die Nachfrage von institutionellen und privaten Investorinnen und Investoren nach nachhaltigen Anlagen hat deutlich zugenommen. Auch wenn jüngst eher eine Stabilisierung, 2022 sogar ein Rückgang zu verzeichnen war, so ist das Marktvolumen in den letzten zehn Jahren insgesamt doch sehr stark gewachsen.
Auch auf der Seite der Finanzinstitute ist ein klares Engagement und Interesse für nachhaltige Fonds und grüne Anleihen entstanden. Vielen Akteuren ist die Bedeutung des Finanzsektors bei der Bekämpfung des Klimawandels bewusst. Dies alles ist erfreulich, weil Investitionen ein enorm wichtiger Hebel für Veränderungen sind.
Langsame Entwicklung trotz Fortschritten
Und trotzdem dürfen diese Entwicklungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Schweizer Finanzplatz angesichts der dramatischen Klimakrise viel zu langsam bewegt. Die vom Bund regelmässig durchgeführten PACTA-Klimatests haben wiederholt gezeigt, dass der Schweizer Finanzsektor nicht auf Klimakurs ist und nach wie vor zu stark in fossile Energien investiert. Dies ist fatal, weil der Schweizer Finanzplatz einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt ist. Nicht primär in der Schweiz, sondern vor allem im Ausland werden über unseren Finanzplatz in grossem Ausmass klimaschädliche Aktivitäten finanziert. Dazu gehört unter anderem die Förderung von Kohle und Erdöl oder die Abholzung von Regenwäldern. Die Treibhausgasemissionen, die vom Schweizer Finanzplatz durch Geschäfte im Ausland verantwortet werden, übersteigen die Emissionen in der Schweiz gemäss Schätzungen einer McKinsey-Studie um das 14- bis 18-Fache.
Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der Klimakrise
Das zeigt die enorme Verantwortung der Schweiz bei der Bekämpfung der Klimakrise und dass die bisherigen Entwicklungen bei Weitem nicht ausreichen. Der Bund hat vor allem freiwillige Massnahmen zur Förderung der Transparenz im Finanzsektor eingeführt, wie zum Beispiel die Swiss Climate Scores. Beim Thema Greenwashing hat der Bundesrat auf Druck der Branche beschlossen, auf Selbstregulierung zu setzen.
Die Schweiz hat zwar die Ziele für den Klimaschutz gesetzlich verankert, doch gerade in Bezug auf den Finanzsektor hinkt sie den internationalen Regulierungsentwicklungen hinterher. Alleine mit Freiwilligkeit und Selbstregulierung werden die Finanzflüsse offenbar nicht klimaverträglich gestaltet. Es reicht auch nicht aus, lediglich den Fokus auf die Finanzierung von Geschäften zu legen, die von Beginn weg besonders klimafreundlich sind, wie zum Beispiel Solaranlagen.
Transitionspläne als Instrument für die ökologische Transformation
Um die Treibhausgasemissionen wirksam zu senken, müssen Unternehmen in ihrer ökologischen Transformation unterstützt werden, das gilt insbesondere für emissionsintensive Branchen. Ein gutes Instrument dazu sind Transitionspläne. Sie zeigen auf, mit welchen Massnahmen der CO2-Ausstoss verringert wird. Will sich die Schweiz als führenden Standort für nachhaltige Finanzdienstleistungen positionieren, dann sollte sie von ihren Finanzmarktakteuren verbindlich Transitionspläne verlangen: Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter sollen aufzeigen, wie sie internationale Kredite, Investitionen und Versicherungen klimaverträglich ausrichten. Denn nachhaltiges Investment heisst, in die Transition der Wirtschaft zu investieren.
Autorin:
Céline Widmer
Nationalrätin, Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP)
Mitgliedschaften in parlamentarischen Gruppen: Inlandbanken; Sustainable Finance (Co-Präsidium)
Illustrationsbild: © istockphoto.com/neirfy
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