KI-Ergebnisse hängen von der richtigen Dosierung, Regulierung und gesellschaftlichen Einbettung ab. ResponsibleAI und SustainableAI sind dafür zentral. Bild: AdobeStock.com/khunkornStudio

Der neolithische Jäger, der jeden Abend den Stein seines kleinen Beils endlos polieren musste, um am nächsten Tag sein Säbelzahntigersteak zu jagen, hat sich wahrscheinlich mehr als einmal eine automatische Schleifmaschine gewünscht.

Diesen Traum haben wir wahr gemacht. Seit der industriellen Revolution hat unsere Gesellschaft die Muskelkraft schrittweise durch die Kraft der Maschine ersetzt. Im vergangenen Jahrhundert begannen unsere Maschinen nicht nur unsere körperliche Arbeit zu übernehmen, sondern unsere Fähigkeiten sogar bei Weitem zu übertreffen. Transport-, Energie- und Kommunikationstechnologien erlauben es uns, die Grenzen des Möglichen ins Unendliche zu verschieben.

Die Schattenseiten der Revolution: Ungleichgewicht und unvorhergesehene Folgen

Doch bald wurde klar, dass die industrielle Revolution nicht folgenlos bleibt und Externalitäten mit sich bringt. Wir sehen das wachsende Ungleichgewicht zwischen Verbrauch und Erneuerung von Ressourcen. Wir erkennen die Kluft zwischen der Leistungsfähigkeit unserer Erfindungen und unserer eigenen Fähigkeit, die Folgen ihres Einsatzes vorherzusagen.

Der intellektuelle Sprung: Generative KI übertrifft menschliche Fähigkeiten

Seit einigen Jahren sehen wir uns mit Maschinen konfrontiert, die uns sogar bezüglich unserer intellektuellen Fähigkeiten übertreffen. Was 1997 mit Deep Blue begann, der den Schachweltmeister Garry Kasparov besiegte, setzte sich 2022 mit der Veröffentlichung von ChatGPT fort, bald gefolgt von weiteren Innovationen. «Generative KI», die die menschliche Sprache und Schrift mit beunruhigender Präzision imitieren kann, ist in der Lage, Aufgaben zu erledigen, die bis vor Kurzem einer Gruppe von gut ausgebildeten Menschen vorbehalten waren. Und sie macht es viel schneller.

KI als Katalysator: Chancen für Nachhaltigkeit und Demokratisierung

Es zeigt sich, dass KI, wie so viele Früchte des Fortschritts, ambivalente Eigenschaften hat. Sie kann uns helfen, die Energiewende zu beschleunigen, die medizinische Versorgung zu verbessern oder den Zugang zu Wissen zu demokratisieren. Die Analyse von Satellitenbildern erlaubt es, Emissionslecks zu erkennen, KI optimiert die Energieeffizienz von Datenzentren, und neue digitale Plattformen erlauben Echtzeitmonitoring von Klimaprojekten. In der Finanzwelt kann sie Banken, Asset Manager und Asset Owner dabei unterstützen, Nachhaltigkeitsrisiken transparenter zu machen, Greenwashing zu erkennen oder Szenarioanalysen zu erstellen.

Die Kosten des Fortschritts: Hoher Energiebedarf und wachsende Ungleichheit

Gleichzeitig sind die Externalitäten real. KI verbraucht enorme Energiemengen, kann Ungleichheit vergrössern oder Arbeitsplätze vernichten. Der Strombedarf von Rechenzentren könnte sich bis 2035 verdreifachen, und KI bedroht zahlreiche Wissens- und Dienstleistungsjobs durch ein immer schnelleres Automatisierungstempo.

Die richtige Dosierung: Mit ResponsibleAI zur messbaren Transformation

Wie bei jedem Medikament hängt das Ergebnis von KI auch wesentlich davon ab, wie sie dosiert, reguliert und in die Gesellschaft eingebettet wird. Um diese Spannung zu bewältigen, sind die Konzepte ResponsibleAI und SustainableAI entscheidend. Sie bezeichnen die Praxis, KI-Systeme so zu entwickeln, einzusetzen und zu steuern, dass sie mit ethischen Prinzipien und gesellschaftlichen Werten in Einklang stehen und Kriterien der Transparenz und Rechenschaftspflicht erfüllen. Richtig konzipiert, gesteuert und angewandt kann KI zur Grundlage dessen werden, was man als «Sustainability 3.0» bezeichnen könnte, d. h. Nachhaltigkeit, die mit Hilfe von Daten, KI und digitalen Plattformen messbar, steuerbar und überprüfbar gemacht wird. Investoren und Finanzunternehmen unterstützt dies dabei, Kapital gezielt in Unternehmen und Projekte zu lenken, die langfristig Wert schaffen und zur Transformation beitragen.


Autor:

Romain Leroy-Castillo, Projektleiter bei Swiss Sustainable Finance (SSF). Er verantwortet die Umsetzung verschiedener Projekte, darunter die Marktstudie für nachhaltige Anlagen, die Asset-Owner-Plattform und die Einführung von künstlicher Intelligenz in Sustainable Finance.