Nachhaltige Investitionsansätze leisten wichtige Pionierarbeit auf dem Weg in Richtung einer «Impact Economy»: einer Zukunft, in der Kapitalmärkte Externalitäten Schritt für Schritt internalisieren und den ökologischen und sozialen Nutzen angemessen bewerten.

Unternehmerische Kapazität als knappe Ressource

Das Wachstum nachhaltiger Anlagevolumina in den vergangenen Jahren ist ermutigend. In der Schweiz haben nachhaltige Anlagen von 2022 zu 2023 um 3 % auf über CHF 1,6 Billionen zugenommen1. Gleichzeitig wird oft darauf hingewiesen, dass die Erfüllung der globalen Nachhaltigkeitsziele2 bis 2030 zusätzliche jährliche Investitionen von mindestens USD 3,5 Billionen erfordern würde.

Blosse Rufe nach massiver Mobilisierung von Kapital, vorwiegend durch regulatorische und fiskalische Massnahmen, sind zu einseitig. Mehr Geld allein wird die Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung weltweit nicht bewältigen. Die Kombination mit den richtigen Anreizen ist entscheidend, um langfristige Ergebnisse zu erzielen. Mehrere Hebel scheinen dafür unabdingbar. Innovationen, ihre Einbettung in Geschäftsmodelle und ihre Verbreitung entlang von Wertschöpfungsketten, welche die breite Masse von Menschen auch in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen erreichen, ermöglichen Skaleneffekte. Kapazität erweist sich als knappste Ressource: einerseits die unternehmerische Kapazität, um auf die Bedürfnisse von Kunden fokussierte sowie widerstandsfähige Organisationen aufzubauen, anderseits die institutionelle Kapazität, um essenzielle öffentliche Güter und Infrastrukturen bereitzustellen. Die Finanzmarktakteure müssen zusätzliche Kompetenzen aufbauen, um Kapital für die nachhaltigsten und effizientesten Vorhaben in geeigneten Strukturen zur Verfügung zu stellen. In Kombination können diese Hebel signifikant zur Schliessung der Umsetzungslücke für die SDGs beitragen: Das verfügbare Kapital wird effizienter alloziert und gleichzeitig in innovativere Ansätze mit inhärent höherer Wirkung investiert.

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Steueramts des Kantons Zürich vom Februar 2024, unternehmerische Fördermodelle von Stiftungen nicht mehr als Hindernis für eine Steuerbefreiung anzusehen, ein positives Signal für nachhaltiges Investieren in der Schweiz. Sie erleichtert den katalytischen Einsatz von philanthropischem Hochrisikokapital und damit den Einsatz des gesamten Kapitalspektrums.

Philanthropisches Impact Investing als Beispiel für Wirkung durch Innovation und Unternehmertum

Als Ansatz für eine gezielte Mobilisierung der erwähnten Hebel kann das Modell der elea Foundation for Ethics in Globalization dienen: Seit 2006 hat sich elea bei rund 50 Impact Ventures engagiert und weltweit über 40 Millionen Menschen in Ländern des globalen Südens Chancen eröffnet, sich aus absoluter Armut zu befreien. elea setzt philanthropisches Kapital als katalytische Anschubfinanzierung ein, typischerweise in Form von Finanzierungen mit 5- bis 10-jährigem Investitionshorizont. Eine selektive Auswahl von Investments und ein grosser Einsatz von professioneller Kapazität, um als aktiver Investor nicht nur Kapital, sondern auch betriebswirtschaftliches Know-how, Coaching und Zugang zu einem globalen Netzwerk in die Portfolio-Ventures zu investieren, haben sich dabei als entscheidende Erfolgsvoraussetzungen herausgestellt.

Erfolgreiche Impact Ventures entwickeln sich zu transformativen Akteuren.

Erfolgreiche Impact Ventures entwickeln sich zu transformativen Akteuren in ihren Ökosystemen und bereiten den Weg für eine nachhaltige Kanalisierung von kommerziellem Kapital für die Lösung ökologischer und sozialer Probleme.


  1. Gemäss Swiss Sustainable Finance
  2. UN Sustainable Development Goals (SDGs)

Adrian Ackeret ist Partner & Chief Investment Officer bei der elea Foundation for Ethics in Globalization.
www.elea.org

Illustrationsbild: Bildagentur PantherMedia / Sarayut